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Bezirk Vinschgau

Auf den Tränen des Kaisers

vom 27.03.2014 um 14:14 Uhr

Die kleinste Stadt Südtirols und Italiens ist mit 894 Einwohnern Glurns. Zudem ist sie die einzige Stadt im Vinschgau. Glurns erscheint einem heute als uridyllische mittelalterliche Stadt, bei der man im wahrsten Sinne des Wortes einen Stadt-Rundgang (also einmal um die Stadt gehen) machen kann, weil ihre Mauern vollständig erhalten sind. Diese heute noch so erhaltene Stadtanlage war jedoch das Meisterwerk des bedeutendsten Architekten  seiner Zeit, nämlich Jörg Kölderer (1465/70-1540). Kölder war Hofmaler und Hofbaumeister des Kaisers Maximilans I.

Die Bedeutung von Glurns als Verkehrsknotenpunkt über das Münsteral zur Schweiz und über den Reschenpass nach Österreich hin, war schon in der Römerzeit gegeben, denn Glurns lag an der Via Claudia Augusta, einer der wichtigsten  Nord-Süd-Verbindungen. Im 12. Jahrhundert findet man die erste urkundliche Erwähnung eines Dorfes namens Glurns. Damals war in großen Teilen des Vinschgaus noch die rätoromanische Sprache gebräuchlich (ähnlich wie das Ladinische in Gröden, Alta Badia und Fassatal, bzw. nur wenige Kilometer von Glurns entfernt im schweizerischen Kanron Graubünden): dies sieht man heute noch an vielen Orts- und Flurnamen. Der Name „Glurns“ entstammt einem rätoromanischen Wort und kann mit Hasel- bzw. Erlenau übersetzt

1291 verlieh Meinhard II. von Tirol Glurns ein Marktrecht und 10 Jahre später wird Glurns erstmals in Urkunden als Stadt bezeichnet. Es ging steil bergauf, der Handel blühte, doch die Auseinandersetzungen zwischen den Habsburgern und den Schweizer Eidgenossen führten schließlich am 22. Mai 1499 zur Schlacht an der Calven. Da das habsburgische Heer unter der Führung des Kaisers Maximilian I. viel zu spät eintraf, wurde neben vielen anderen Ortschaften im oberen Vinschgau vor allem Glurns komplett zerstört. Tausende von Nutztieren waren geraubt worden und über 5000 Landsknechte erschlagen. Viele Frauen und Kinder misshandelt. Als Maximilian I. schließlich eintraf, sah er vom Tartscher Bühel aus Glurns in Rauch und Asche liegen.  Und der Chronik zufolge soll er bei diesem Anblick geweint haben.  

Dann beauftragte er Jörg Kölderer, ein neues Glurns zu bauen, und das ist jenes, das wir heute kennen.  So entstand der Ausdruck, dass Glurns auf den Tränen des Kaisers neu errichtet wurde.

Besten Dank an die Stadtführer Karl Hofer und Valerio Rainis, die noch so viel mehr über Glurns erzählen können. Danke auch dem Tourismusverein Obervinschgau für die Unterstützung der Dreharbeiten.

 

Infos zu den Stadtführungen in Glurns

Rathausplatz, 1

I-39020 Glurns

Tel. +39 0473 831 097

www.ferienregion-obervinschgau.it

 

Literatur zur „Schlacht an der Calven“:

Calven 1499-1999, Bündnerisch - Tirolische Nachbarschaft, hrsg. vom Südtiroler Kulturinstitut in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichte, Innsbruck und dem Staatsarchiv Graubünden und dem Verein für Bündner Kulturforschung, Bozen 2001